Kann man EMDR bei sich selbst anwenden?

Veröffentlicht 27. September 2026 · Aktualisiert 25. Oktober 2026

Viele Menschen stoßen online auf EMDR-Tools und fragen sich, ob sie diese allein nutzen können. Die kurze Antwort: Bilaterale Stimulation eignet sich gut, um sich zu beruhigen und zu erden, doch traumatische Erinnerungen verarbeiten Sie am besten mit einem ausgebildeten EMDR-Therapeuten. Dieser Ratgeber erklärt, warum, und was Sie gefahrlos allein tun können.

Was „EMDR machen“ eigentlich bedeutet

EMDR ist mehr als Augenbewegungen. Es ist ein Protokoll mit acht Phasen: Anamnese und Behandlungsplanung, Vorbereitung, Bewertung einer Zielerinnerung, Desensibilisierung, Verankerung, Körpertest, Abschluss und Neubewertung. Die Augenbewegungen sind nur ein Teil davon.

Der Therapeut wählt aus, an welchen Erinnerungen gearbeitet wird, und bestimmt das Tempo. Er bemerkt, wenn Sie überflutet werden oder zu dissoziieren beginnen, und hilft Ihnen, zur Ruhe zu kommen, bevor Sie die Sitzung verlassen.

Die Risiken, ein Trauma allein zu verarbeiten

  • Überflutung: Eine Erinnerung kann sich intensiver anfühlen, bevor es besser wird. Allein ist es schwer, rechtzeitig aufzuhören und sich zurückzuholen.
  • Dissoziation: sich taub, weit weg oder unwirklich fühlen. Vielleicht merken Sie gar nicht, dass es passiert.
  • Eine Kette von Erinnerungen in Gang setzen: Eine Erinnerung kann mit anderen Erinnerungen verbunden sein, an die Sie gar nicht rühren wollten.
  • Festfahren: Ohne Begleitung kreisen Sie vielleicht immer wieder um den schlimmsten Moment und fühlen sich am Ende schlechter als zu Beginn.

Das gilt besonders bei komplexer Traumatisierung oder Missbrauch in der Kindheit und für Menschen mit Dissoziation, Selbstverletzung oder Psychose in der Vorgeschichte.

Was Sie gefahrlos allein tun können

  • Die Schmetterlingsumarmung. Diese Technik wurde von Lucina Artigas und Ignacio Jarero entwickelt. Verschränken Sie die Arme vor der Brust, sodass Ihre Hände auf den Oberarmen oder Schlüsselbeinen liegen. Klopfen Sie dann langsam abwechselnd links und rechts und atmen Sie dabei ruhig. Nutzen Sie sie, um nach einem stressigen Tag zur Ruhe zu kommen oder um ein gutes Gefühl zu verstärken.
  • Eine Übung zum sicheren Ort. Stellen Sie sich einen Ort vor, an dem Sie sich sicher und entspannt fühlen, und achten Sie auf die Details: Geräusche, Farben, Temperatur. Fügen Sie ein paar langsame Sets bilateraler Stimulation hinzu, während Sie das Bild halten.
  • Grounding mit den Sinnen. Nennen Sie 5 Dinge, die Sie sehen, 4, die Sie berühren können, 3, die Sie hören, 2, die Sie riechen, und 1, das Sie schmecken.

Eine Faustregel: Nutzen Sie bilaterale Stimulation allein, um Ruhe zu verstärken, nicht um in schmerzhaften Erinnerungen zu graben. Wenn eine belastende Erinnerung auftaucht, hören Sie auf, öffnen Sie die Augen und erden Sie sich.

Remote EMDR ist ein Tool für Therapeuten

Remote EMDR wurde für Therapeuten entwickelt, die EMDR-Sitzungen mit ihren Klienten durchführen. Der Patientenbildschirm ist dafür gedacht, genutzt zu werden, während ein Therapeut Sie anleitet, meist per Videoanruf. Es ist keine Selbsthilfe-App.

Online-EMDR mit einem Therapeuten

Sie brauchen keinen EMDR-Therapeuten um die Ecke: EMDR funktioniert auch per Video, und viele Therapeuten bieten es online an. Achten Sie bei der Wahl eines Therapeuten auf:

  • Eine EMDR-Ausbildung, idealerweise mit Anerkennung durch EMDR Europe oder einen nationalen EMDR-Fachverband. In Deutschland ist das EMDRIA Deutschland.
  • Eine anerkannte Qualifikation als Psychologe oder Psychotherapeut. In Deutschland achten Sie auf eine Approbation als Psychotherapeut.
  • Erfahrung mit dem, was Sie beschäftigt, und eine Sprache, in der Sie sich gut ausdrücken können.

Sie sind nicht sicher, ob EMDR das Richtige für Sie ist? Lesen Sie CBT vs EMDR im (englischsprachigen) Blog von ExpatPsychologie.

In einer Krise? Wenn Sie an Suizid denken oder sich nicht sicher fühlen, rufen Sie 112 an. In Deutschland erreichen Sie die TelefonSeelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, in Österreich die Telefonseelsorge unter 142 und in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143. In den Niederlanden erreichen Sie 113 Suizidprävention unter 113 oder 0800-0113.