Ihre erste Online-EMDR-Sitzung: was Sie erwartet und wie Sie sich vorbereiten

Veröffentlicht 4. Oktober 2026 · Aktualisiert 25. Oktober 2026

Ihr Therapeut hat EMDR vorgeschlagen, und die Sitzungen finden online statt. Das wirft praktische Fragen auf. Was passiert eigentlich? Was brauchen Sie? Und wie sorgen Sie für sich, wenn der Anruf endet und Sie zu Hause sind? Dieser Ratgeber ist für Klienten geschrieben. Er erklärt, was Sie erwartet und wie Sie sich vorbereiten, damit Sie sich auf die Therapie selbst konzentrieren können.

Was in einer Online-EMDR-Sitzung passiert

Online-EMDR folgt denselben Schritten wie EMDR in einer Praxis. In den ersten Sitzungen sprechen Sie über Ihre Vorgeschichte und darüber, was Sie verändern möchten, und Ihr Therapeut zeigt Ihnen Übungen, mit denen Sie sich beruhigen können. Erst danach beginnt die Arbeit an einer Erinnerung. Wenn Sie es genauer wissen möchten, lesen Sie über die acht Phasen von EMDR.

Bei der Arbeit an der Erinnerung rufen Sie sich kurz eine Erinnerung ins Gedächtnis, während Sie mit den Augen einem Ball folgen, der sich über Ihren Bildschirm bewegt, oder Tönen lauschen, die zwischen Ihrem linken und rechten Ohr wechseln. Nach jeder Runde fragt Ihr Therapeut, was Sie wahrnehmen. Sie müssen nichts erklären oder analysieren; Sie sagen einfach, was auftaucht, und die nächste Runde beginnt. Ihr Therapeut sieht und hört Sie die ganze Zeit über den Videoanruf.

Was Sie brauchen

  • Einen Laptop, Desktop-Computer oder ein Tablet. Ein Smartphone-Bildschirm ist zu klein, um einem bewegten Ball zu folgen. Sie können das Smartphone für den Videoanruf nutzen und den größeren Bildschirm für den Ball.
  • Einen modernen Browser wie Chrome, Edge, Firefox oder Safari. Sie müssen nichts installieren und kein Konto anlegen: Ihr Therapeut schickt Ihnen einen Link.
  • Kopfhörer, wenn Ihr Therapeut mit Ton arbeitet. Ohne Kopfhörer hören Sie den Links-rechts-Effekt nicht.
  • Eine stabile Internetverbindung. Wenn Ihr WLAN unzuverlässig ist, setzen Sie sich in die Nähe des Routers.
  • Einen privaten Raum, in dem Sie während der ganzen Sitzung, auch am Ende, nicht gestört oder belauscht werden.

Ihren Raum vorbereiten

  • Setzen Sie sich auf einen stabilen Stuhl an einen Tisch, mit dem Bildschirm eine Armlänge entfernt und auf Augenhöhe.
  • Schließen Sie andere Programme und schalten Sie Benachrichtigungen aus, damit nichts über dem Ball aufpoppt.
  • Legen Sie ein Glas Wasser, Taschentücher und etwas Tröstliches bereit, etwa eine Decke oder einen vertrauten Gegenstand.
  • Sagen Sie den Menschen, mit denen Sie zusammenleben, dass Sie nicht gestört werden dürfen, und bringen Sie Haustiere in einen anderen Raum, wenn sie Sie ablenken.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Therapeut für den Notfall die Adresse kennt, an der Sie sich während der Sitzung aufhalten.

So funktioniert der Bildschirm mit dem Ball

  1. Ihr Therapeut schickt Ihnen einen Link, meist im Chat des Videoanrufs.
  2. Öffnen Sie ihn in Ihrem Browser, am besten auf dem größeren Bildschirm. Klicken Sie irgendwo auf den Bildschirm, um zu starten; damit erlauben Sie auch, dass der Ton abgespielt wird.
  3. Schalten Sie das Browserfenster in den Vollbildmodus: Drücken Sie unter Windows F11, auf dem Mac Control-Befehlstaste-F.
  4. Sie sehen nur den Ball und den Hintergrund. Ihr Therapeut steuert Geschwindigkeit, Richtung und Ton. Lassen Sie den Videoanruf geöffnet, damit er Sie sehen und hören kann.

Während der Sitzung

  • Vereinbaren Sie ein Stoppsignal, etwa eine erhobene Hand. Sie können jederzeit stoppen.
  • Lassen Sie zu, was auftaucht. Bilder, Gefühle, Körperempfindungen oder scheinbar unzusammenhängende Gedanken sind alle normal. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
  • Es kann sich intensiver anfühlen, bevor es besser wird. Ihr Therapeut beobachtet Sie und hilft Ihnen hindurch oder verlangsamt das Tempo.
  • Wenn die Verbindung abbricht, schauen Sie nicht mehr auf den Bildschirm, stellen Sie die Füße auf den Boden und schauen Sie sich im Raum um, während Sie Dinge benennen, die Sie sehen. Vereinbaren Sie vorher, wie Ihr Therapeut Sie erreicht, zum Beispiel telefonisch.

Nach der Sitzung

Zu Hause gibt es kein Wartezimmer und keinen Heimweg, auf dem Sie wieder umschalten können. Planen Sie deshalb nach der Sitzung etwas Zeit ein:

  • Legen Sie direkt nach der Sitzung keinen anstrengenden Termin und keine anspruchsvolle Aufgabe.
  • Tun Sie etwas Beruhigendes: einen kurzen Spaziergang, eine Dusche, eine Tasse Tee.
  • Die Verarbeitung kann noch einige Tage weitergehen. Vielleicht bemerken Sie neue Erinnerungen, Träume, Gefühle oder Einsichten. Schreiben Sie sie kurz auf und bringen Sie sie in Ihre nächste Sitzung mit.
  • Nutzen Sie die beruhigenden Übungen, die Sie gelernt haben, etwa Ihren sicheren Ort oder den Tresor.
  • Wenn Sie sich sehr aufgewühlt fühlen, wenden Sie sich an Ihren Therapeuten.

Wirkt Online-EMDR so gut wie EMDR in der Praxis?

Die Forschung zu Online-EMDR ist jünger als die zu EMDR im Therapieraum, doch die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend. Eine systematische Übersichtsarbeit in Frontiers in Psychiatry mit 16 Studien fand einen vielversprechenden Rückgang von PTBS-Symptomen, Angst und Depression bei EMDR auf Distanz, wies aber darauf hin, dass mehr kontrollierte Studien nötig sind. Manchen Menschen fällt es zudem leichter, von zu Hause aus über schwierige Erfahrungen zu sprechen. Manchmal passen Sitzungen vor Ort besser, zum Beispiel wenn Sie zu starker Dissoziation neigen. Ihr Therapeut wird das mit Ihnen besprechen.

In einer Krise? Wenn Sie an Suizid denken oder sich nicht sicher fühlen, rufen Sie 112 an. In Deutschland erreichen Sie die TelefonSeelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, in Österreich die Telefonseelsorge unter 142 und in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143. In den Niederlanden erreichen Sie 113 Suizidprävention unter 113 oder 0800-0113.